Hic habitat felicitas.*

 

»» Im Schlafwagen, 19. August

Mir ist recht verschmitzt zumute. Es ist Nacht. Der Zug donnert durch Franken. Ich liege im Bett, trinke eine halbe Flasche Roten, rauche und freue mich auf Karls dummes Gesicht. Er wird kein klügeres ziehen als vor wenigen Stunden der alte Justizrat Scheinert am Anhalter-Bahnhof. „Hallo, Doktor, rief er, als er mich sah, „wo fahren Sie denn hin?“ „Nach Salzburg!“ antwortete ich. „Nach Salzburg? Sie Glücklicher! Wo werden Sie denn wohnen?“ „In Reichenhall“ Der gute Mann hat schon von Hause aus kein sehr durchgeistigtes Antlitz, doch jetzt wirkte er tatsächlich wie ein Schaf mit Hornbrille.

In Österreich ins Theater gehen, in Deutschland essen und schlafen: Die Ferien versprechen einigermaßen originell zu werden … In Reichenhall werde ich als Granseigneur leben, in Salzburg als Habenichts; und jeden Tag werde ich der eine und der andere sein …

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Erich Kästner, Der Kleine Grenzverkehr geschrieben im August und September 1937 (nach Christi Geburt)

| Parkhotel . Axelmannstein . *Hier wohnt das Glück