Stadt im Winkel.

Nachtrag: Ich soll noch was zu den apokalyptischen Reitern tippen.

Das Fresko an der äußeren Apsis der Kirche St. Aegidien zeigt die vier apokalyptischen Reiter, erwähnt in der Christenbibel im 6ten Kapitel der Offenbarung des Johannes, als Boten des drohenden Weltunterganges.

(Nach dem heidnischen Mayakalender solls am 21ten Dezember heuer auch mal wieder so weit sein. Ärgerlich, ich habe tags darauf Geburtstag.)

Das Außengemälde erinnert an die unzähligen Opfer des Vergeltungs-Bombardements am 15ten April 1945 durch die Allierten. Aber auch an die Verheerungen durch zahlreiche Feuersbrünste, der sich die Stadtbevölkerung Reichenhalls immer wieder ausgesetzt sah.

So legte 1196 Erzbischof Adalbert von Salzburg im Händel um das Salz die Stadt in Schutt und Asche, 1265 fiel dem ehrwürdigen Bischof von Öllmütz auch nicht Grausameres ein, um die umbotmäßigen Reichenhaller zur Räson zu bringen. 1415 brannte die Stadt aus Unachtsamkeit nieder, 1425 brach im Haus eines schussligen Chorherren von St. Zeno ein Brand aus, die kleine Stadt brannte bis auf vier Häuser vollends ab. Am 6ten Jänner 1448 verzeichnet die Stadtchronik eine weitere Feuersbrunst. 1515 überwarf sich eine Bademagd mit ihrer Nachbarin und zündete aus Verdruss mal eben deren Wohnung an. Die Flammen griffen auf die Stadt über, 200 Menschen verloren ihr Leben.

Im November 1848 legte ein Brand, ausgehend von der Alten Saline, die Stadt in Asche. Man erzählt sich, dass der Herr König Ludwig II., der an diesem Tag in der kleinen Stadt ‚loschierte‘, währenddessen mit einigen Honoratioren auf einen Schwatz beim Umtrunk saß. Und da sich keiner recht traute, die hohen Herren bei ihrem Palaver zu stören, ließ man es eben brennen, in der Hoffnung dass die Herren alsbald zum Schluß kommen mögen. Ja mei, ganz so deppert werden die Altvorderen dann doch nicht gewesen sein. Derlei Schauergeschichten werden gerne von Menschenmenschen von jenseits der Berge kolportiert.

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