Es wird Zeit.

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Noch bevor die Sonne aufgegangen war wußte Antonia, dass ihre Tage gezählt waren. Und sie wußte noch mehr, – sie wußte, dass dieser Tag ihr letzter sein würde. Sie fühlte sich nicht schlecht, aber im Gegensatz zu den meisten anderen Menschen, wußte Antonia wann genug genug war. Sie würde ihre geliebte Familie zu sich rufen, ihnen sagen, dass sie gehen müßte. Sie würde ihre Augen schließen und sterben.

Bauer Sebastian würde eigenhändig ihren Sarg zimmern und Olga, die Russin, ihren Leichnam waschen, mit ihrer Erfahrung würde sie das schnell erledigen, bei ihrem Taktgefühl brauchte man sich für nichts zu schämen. Ihre Urenkelin Sarah würde nicht von ihrem Sterbebett weichen, sie würde genau wissen wollen, wie das Wunder vom Tod sich an ihrer geliebten Grossmutter vollziehen würde.

“Ja, – es wird Zeit, dass ich sterbe.”

Und sie erhob sich von ihrem Bett
und begann den letzten Tag ihres Lebens.

Sie öffnete die Fensterläden ihres Schlafzimmers, setzte in der Küche den Wasserkessel auf, versorgte das Vieh und sah nach der Post.

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( Antonias Welt . Marleen Gorris )

| Versatzstücke . Zadok