In der kleinen Stadt sucht man nach Heilung.

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Der aufrechte Bürger Varus Sattmann hat den Volksverräter Germain Hasenkötter, obschon beide längers nachhaltig heimatverbunden sind, – seit der Hugenottenvertreibung oder so, – in einer kühn flammenden Rede aufs Gebildetste beleidigt, – bei Salzgebäck mit Soletunke, – und diesen eine ‚linksfaschistoide‘ Nazisau geschmäht. Ist nichts Persönliches, das macht man jetzt so. Das war am Montag. Nein, am Dienstag. Oder wars Donnerstag. Na, ist ja auch egal.

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Wegen der Heimatvertriebenen sagt man sich in Deutschland, in Bayern, in der kleinen Stadt noch immer die Meinung. Seit Jahr und Tag die Meinung. Belegt man sich gegenseitig mit Schimpf. Heißt sich alles und jeden Pack, Gesindel, Geschmeiß, Gesockse, Bagage oder eben Nazi. Um dann in Jammer auszubrechen, weil herabgewürdigt, – wo man doch nur bissel rassistisch sein wollte. Es gibt scheints ein großes Bedürfnis, – wie nach einer langer Entbehrung groß, – auch Rassist sein zu dürfen, – gleich anderen Völkern auch.

Während man sich gegenseitig tituliert, spricht man viel von Kultur dabei. Kultur von der man weiß, dass man sie einfach intus hat. Seit Arminius, oder Wagner, oder Schiller oder Fuck You Geoethe Teil 1-7.

Spricht viel und lang von Tradition. Dabei aufgejockelt in einer Tracht, die es nie gegeben hat, jedoch in einer Niedertracht wie sie jetzt große Mode ist. Spricht derart viel von Tradition, dass man nicht weiß, ob Tradition noch Tradition ist, oder ob es sich dabei um ritualisierte Zwangshandlungen handelt.

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