Anekdote. Der Aufmupf.

Ein sorgender Bürger, kein Schutzmann, weiß zu berichten, dass er der Bürger, vorsorglich fürsorglich, am Abend aufd Nacht, wenn die Dunkelheit an- und die Lichtverschmutzung hereinbricht, er seine ureigene Ehefrau, – durch bürgerlich christliche Heirat redlich erworben und in seinen alleinigen Besitz gebracht, – nicht mehr auf die Straße lässt. Aus Sicherheitsgründen. Deshalb! Er hätte auch sagen können, ’nicht mehr alleine‘, der Held. Hat er aber nicht. Deshalb müpft seine Frau vor aller Ohren zu dem Ehemann hin: „So weit kommts noch, du Maulaff!

Da haben alle am Tisch geschwiegen. Betreten geschwiegen und ohne auch nur die Miene zu verziehen, geräuschlos in sich hinein gelacht. Derweil hab ichs mir ausgemalt, weil blind, um mir das Gesagte nicht auch noch vorstellen zu müssen. Also anschaulich veranschaulicht …

… wie seine Frau zu diesem Mann hinsagt: „Du, ich spring noch schnell zur Angelika rüber, wir gehn hernach noch wohin. Wart nicht auf mich!“ Und er, der vorsorgliche Mann, springt auf, wie von einer Tarantel gestochen auf, saust an der unbeschützten Frau vorbei, zur gesicherten Eingangstüre hin. Die er mit breitem Kreuz beherzt bewacht und sagt: „Du kimmst mir nicht aussi. Do bleibst do!“ Wie der hinterrücks den Schlüssel abzieht und in seiner  Hosentasche versteckt. Also vor den Augen seiner Frau einsackelt. Eine Hose ohne Träger, weil die Hosenträger, die ihm sonst die Hose trugen damit ers nicht selbst tun muss, hatten auch schon Feierabend. Wie die Frau, in aller Gemüts- und Seelenruhe einen Fuß nach dem anderen in einen Straßenschuh dreht, ihren Mantel leichthin von der Garderobe nimmt, locker über den Arm legt, sich ihre Henkeltasche ans Handgelenk anhängt, einen letzten Blick in den blank gewienerten Spiegel wirft, nicht ohne den seitenverkehrt abgebildeten sauberen Herrn aus den Augen zu lassen. Mit dem kleinen Nagel ihres kleinen Fingers ein Mutselchen Stippenlift vom Mundwinkel tupft und zu diesem Menschen, der ihr in all den Jahren so fremd wurde wie’s nur ein Durchschauter sein kann, sagt: „Den Schlüssel!“ Und noch mal, jetzt nachdrücklich bestimmt im Ton: „Den Schlüssel! Sofort! Jetzt!“ Wie dieser Mann, sichtlich unschlüssig zögerlich den geforderten Schüssel heraushändigt. Die Frau den Schutzmann von der versperrten Türe schiebt, aufsperrt und zu dem Beiseitegeschobenen sagt: “Ich gehe! Ich kann nicht länger mit einem Irren leben!“ Und den so baff Geplätteten hilflos verlassen alleinig zurücklässt.

Das hat er nun davon.

 

| Dem Schutzmann 1ne Frau zum schützen . Ausgehverbot . Weil du mir gehörst

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