Bei den Hörnchen ist alles in Butter

 

Ich habe das Haus zeitig in der Früh verlassen. Winters bei Schnee gehe ich rückwärts. Damit mich meine Spuren nicht verraten. Ist sicherer, jetzt wo das Volk nicht gut auf sich zu sprechen ist. Das Volk soll zerbrochen sein, steht sich unversöhnlich gegenüber. Da Volksbürger, da Bürgervolk. Muss ja auch nicht jeder wissen, dass ich Krapfen holen geh, jetzt wo jeder jeden misstrauisch beäugt. Nur der alte Lauermann hat mich, durch einen der beiden seitlich an seinem Küchenfenster angebrachten Autospiegel, gesehen. Ich lasse mir nichts anmerken und klöpple besonders heftig mit dem Blindenstöckchen. Pfeife dazu, unbekümmert, ist mehr so ein Piffeln, ich kann gar nicht pfeifen. Aber es macht unverdächtig und weckt keine Argwohn. Morgens um 8.

Vor einem Pneu-Spa, an einer viel befahrenen Einfallstraße gelegen, wo sich graue Fassaden entlang einer grauen Straße reihen, treffe ich einen noch von der Nacht verlegenen fremden Herrn, der dort in einer ausgewiesenen ‚Atemzone‘ gemächlich seine Runden dreht. Dabei an einer E-Fluppe Nikotin nuckelt. Obschon das nicht gerne gesehen wird. Wahrscheinlich tut ers, um seinen Stuhlgang anzuregen. Runden drehen, mein ich. Der führt ein Ziehwägelchen mit sich, mit Schläuchen die ihm geradewegs in die Nasenlöcher reichen. Eine Art mobile Herz-Lungen-Maschine scheints. Er näselt, er habe einen Eins-A-Lungenkrebs, er spüre nichts, es ginge ihm gut wie lange nicht mehr.

Im Weiterklöppeln fällt mir auf, die haben dort einen Kundenparkplatz für glückliche Benziner und unglückliche Diesel, mit Kundensitzparkbänken davor. Unter den Kundensitzflächen, auf Auspuffhöhe sozusagen, findet sich jeweils ein Hinweisschild, das den Draufsitzenden darauf aufmerksam macht, besser nicht zu rauchen, wenn ihm sein Leben lieb ist und er keine Vorhaltungen mit Scherereien riskieren will. Schilda-Macher müßt man sein.

Der Flacksinger, wohnhaft Tal 3, Hang 4, Wiese 5, – soll ja jetzt kriminell sein. Ich dacht mir schon längers so was. Saugt keine Pollen im Frühjahr, frisiert nicht den Rasen sommers, bläst kein Laub im Herbst, fräßt keinen Schnee nicht, schöpft sein Dach nicht ab. Macht keine Charity, um sauber vor sich selber dazustehen und den Armen die Armut zu erleichtern. Säuft nicht, schlägert nicht, hat kein Ehrenamt, ist nicht mal Veteran, schreit nicht Heimat, klagt nicht an das Vaddaland. Pflanzt keine Bäume, pflanzt keine Leute nicht. Keinerlei Engaschement! Dafür hab ich einen Blick. Den habens droben am Walserberg schon mehrmals gesehen, in einen Etablissemt, wenn sie wissen was ich mein. Mehr brauch ich wohl nicht zu sagen. Und alles das von meinen Steuern. Außerdem hat er sich einen dunklen Bart stehen lassen, wie’s die Ungläubigen machen. Ist es da ein Wunder, wenn einer sich bängelt? Mit dem stimmt was nicht, sag ich, mir macht da keiner was vor. Der schaut ja auch schon drein wie ein Bandit. Lässt nachts den Fernseher laufen bis Ultimo in der Früh. Und sonntags rennt bei denen die Waschmaschine. Zur Messe geht er auch nicht. Möcht ich nicht wissen, wie der an das viele Geld gekommen ist, um sich so’ne Jurte mit Basseng vor den Berg zu stellen. Würd mich nicht wundern, wenn der seine Frau heimlich verdrischt. Kinder hat der auch nicht, tut also nichts für den Fortbestand der Heimat. Jedenfalls trennt er den Müll nicht, das ist schon mal fix. Wenn dem nur mal kein Strick daraus erwächst, jetzt wo wieder untereinander aufgeräumt werden soll. Na, ich will ja nichts gesagt haben, seh eh nicht was vor meinen Augen gespielt wird. Was scherts mich.

| Alles Leiden heißt jetzt Heimat . Wir haben jetzt Wanzen in der Stube

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